1.2. Die Zuwanderung
Die Stadt zog immer schon Menschen von überall her an. „Die Hugenotten in Berlin, protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und deren Nachkommen, bildeten seit etwa 1700 eine zahlenmäßig, wirtschaftlich und kulturell bedeutende Minderheit. Nachwirkungen dieser Immigration reichen bis in die Gegenwart.“ – schreibt Wikipedia. Ende des 19. Jahrhunderts kamen aus dem damals deutschen Schlesien Menschen hierher, die sich hier bessere Lebensbedingungen versprachen. Straßennamen, wie Glogauer, Sorauer, Lübbener, Oppelner Straße, etc., in direkter Bahnhofsnähe, in Kreuzberg, haben wir heute gerade ihnen zu verdanken. In den 60- er Jahren waren das Gastarbeiter*innen aus Italien, ehemals Jugoslawien, aus Griechenland und aus der Türkei. Zuwanderung aus Osteuropa verzeichnet sich seit Jahrzehnten, kontinuierlich. Ebenfalls aus asiatischen Ländern. Die letzten Jahre brachten viele Kriegs- und Armutsflüchtlinge aus Syrien, Arabien und Afrika, die hier Fuß fassen wollen. Menschen kommen aber auch aus reichen Ländern der ganzen Welt, mit den USA wohl an fünfter Stelle, um hier die Vielfalt zu erleben und vor allem ihren beruflichen sowie privaten Ansprüchen gerecht zu werden. Start-Ups bringen viel Bewegung in das Geschäftsleben herein. Die IT-Branche ist wohl hier besonders stark vertreten. Die Freizügigkeit der EU macht es möglich. Insgesamt sollen es im Moment 60 Tsd. Menschen sein, die jedes Jahr nach Berlin ziehen. 40% der aktuellen Zuwanderung nach Berlin-Pankow sind junge, meist überqualifizierte EU-Europäer*innen! Nach Italiener*innen sind Pol*innen an der zweiten Stelle, echt spürbar ist diese Zuwanderung und wirft viele Fragen auf, vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle 2015.
Was heißt offene Gesellschaft? Alles puzzelt sich immer wieder neu zusammen…? Wie geht das? Heute leben in Berlin 658 Tsd. Menschen mit einem ausländischen Pass, 1,1 Mio. haben Migrationshintergrund. Jeder Fünfte ist im Besitz eines deutschen Passes.
Außerdem gibt es in der Stadt Obdachlose. So prallen Gegensätze aufeinander zu. Menschen, die „es nicht geschafft“ haben oder auch welche, die diese Lebensform schlicht und einfach präferieren. Einheimische und Zuwanderer*innen, diversen Alters, diverser Berufe. Berlin scheint in dieser Hinsicht ein Magnet für diese Menschen zu sein. Die Zahlen bewegen sich zwischen 6 und 10 Tsd., die Tendenz steigend. Hier finden sie sich zusammen. Unterstützung von der Außenwelt bekommen sie auch: an Bahnhofsmissionen oder Suppenküchen, auch im Kälte-Bus im extremen Winter. Auch zu Weihnachten. Die Stadt ist solidarisch.
Multi-kultiges Berlin ist einfach cool. An manchen Orten hört man kaum Deutsch, es wird mehr z.B. Englisch oder Spanisch kommuniziert, in ausgesuchten Ecklokalen, meistens in Mitte, beim Lunch für internationale Teams oder so, auf jeden Fall vor allem an touristisch frequentierten Orten.

Die Blogautorin ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.